Kirchberg ist ein von
Seesen eingemeindetes Dorf im Landkreis
Goslar, das etwa 4 Kilometer südlich von Seesen liegt.
Dieser Standort ist eine sehr alte Siedlung, die
wohl schon in der Zeit der Karolinger eine bedeutende Rolle spielte.
Gelegen an der alten Thüringer Heerstraße, die dort einstmals die
Aue der Markau querte, war der Ort wohl ein Missionsstandort der
Franken in den Sachsenkriegen. Nach Stolberg kennzeichnet das
Martinspatrozinium der Burgkirche selbige als königlich-fränkische
Eigenkirche. Sie gab dem Burgbezirk den Namen „Kirchberg“, der dann
auf das nahe, aber gesondert angelegte Dorf „Törneberg“ übertragen
wurde.
Die Liudolfinger, als Nachfolger der der Franken,
brachten den Kirchberg in den Besitz der Reichsstifts Ganderheim.
Erstmals erwähnt wurde die St.-Martin-Kirche aber erst im Jahre 1206
durch Papst Innozenz, der das Patronat bestätigte. Es folgte im
Jahre 1233 die erstmalige Nennung der Ortschaft und im Jahre 1344
die Nennung des „castrum Kerichberg“ als Eigentum des Klosters
Walkenried. Eine weitere Nennung stammt von Herzog Otto dem
Einäugigen von Göttingen aus dem Jahre 1438, in der die Herren von
Freden und die Herren von Oldershausen als Lehensherren genannt
werden. Über die Herren von Uslar-Gleichen und Herzog Heinrich I.
kam das Rittergut an Heinrich II., Herzog zu Braunschweig-Lüneburg.
Dieser belehnte im 16. Jahrhundert seine drei unehelichen, von Eva
von Trott geborenen Söhne, Heinrich Theuerdank, Eitel Heinrich und
Heinrich Karl mit der Burg Kirchberg und legitimierte sie als Herren
von Kirchberg. Da allerdings alle drei Söhne ohne Nachkommen
blieben, fiel nach deren Tod der Besitz an das Fürstentum
Braunschweig-Wolfenbüttel.
Es folgten im Jahr 1606 Verpfändungen an die
Herren von Dorstadt und im Jahr 1615 an die Herren von Campen,
in deren Besitz das Gut im Jahre 1622 endgültig übergeht. Ab
etwa 1625 bis ins 19.Jahrhundert wurden zahlreiche Neu- und
Umbauten am Rittergut gemacht, die den Altbestand stark
verwässerten. Seit 1888 ist das Rittergut im Besitz der Familie
von Petersdorff-Campen.
Das Rittergut Kirchberg war ursprünglich eine
Wasserburg, bestehend aus einer trapezförmigen Kastellanlage von
etwa 30 x 40 m. Der Zugang erfolgte über eine Brücke mit mittigem
Torbau, die einen etwa 30 m breiten Wassergraben von Osten her
überspannte, die anderen drei Seiten waren umbaut. Die Nord- und
Westseite waren von schmalen Wassergräben umgeben, die Südseite
wurde von einem Teich gesichert. Westlich der Burganlage befand sich
eine Vorburganlage mit der Kirche St. Martin auf einer kleinen
Anhöhe. Bis etwa 1758 war die Wasserburganlage in der geschilderten
Konstellation erhalten, dann folgten durchgreifende Um- und
Neubauten.
Die heutige Anlage ist geprägt von einem
stattlichen quadratischen Schlossbau des späten Rokoko mit einem
hohen Keller-Erdgeschoss. Es folgt ein massives Untergeschoss sowie
ein Obergeschoss aus verputztem Fachwerk. Der Abschluss wird von
einem mächtigen Zeltdach gebildet, das mit zweifachem Mansardbruch
versehen ist. Die ehemaligen Wassergräben und Teiche sind heute
Großteils verfüllt und das übrige Rittergutsgelände mit neuen
Wirtschaftsgebäuden überbaut.
Das Rittergut wird heute von der Besitzerfamilie
bewirtschaftet. Es werden Ferienzimmer und Wohnungen angeboten. Der
Alte Kornspeicher ist zum Veranstaltungssaal und Seminarraum um- und
ausgebaut worden.
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Bernd
Sternal 2012
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