Die Kleinstadt Hardegsen liegt im Landkreis
Northeim und gilt als das östliche Tor zum Solling, eines kleinen
Mittelgebirges im Weserbergland. Hardegsen, das auch den Namen
„Eselsstadt“ trägt, liegt etwa 30 Kilometer westlich von
Osterode,
auf der westlichen Seite der A7 und hat seinen Beinamen von den
zahlreiche Eseln erhalten, die in früheren Jahrhunderten dort
gehalten wurden.
Seinen Namen hat die Stadt von seiner Burg Hardeg
erhalten. Erstmals urkundlich genannt wurde die Burg im Jahr 1266 –
Burgherr war damals der Ritter Ludwig von Rosdorf. Es wird aber
davon ausgegangen, dass es die Burg oder eine Vorgängeranlage schon
um das Jahr 1000 gegeben hat.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts begann dann unter
den Rittern Konrad und Ludwig von Rosdorf ein großzügiger Ausbau der
vorhandenen Burganlage. In ihren Grundzügen von 110 x 140 Meter ist
sie noch heute vorhanden. Abschluss dieser groß angelegten Bauphase,
der zum Ruin der Burgherren wurde, war der Bau des Muthauses. Es
wurden zu jener Zeit auch neue Befestigungsanlagen sowie
Wassergräben und Teiche angelegt. Das Wasser dafür wurde in
unterirdisch verlegten Holzröhren von der Lunauquelle zugeführt. Ab
1324 waren die Geldsorgen der Burgherren so groß, dass sie die Burg
und den Ort an Welfenherzog Otto den Quaden verpfänden mussten.
Gegen Zahlung von 3.000 Göttingischen Mark wechselte die Burg den
Besitzer. Ab 1379 wurde die Burg Hardeg Regierungssitz und Residenz
des Fürstentums Oberwald und Göttingen. Aber nicht nur das, im Jahr
1383 verlieh Herzog Otto Hardegsen auch noch das Stadtrecht und
stattete die junge Stadt mit zahlreichen Privilegien wie Markt- und
Zollrecht aus. Auf Ottos Initiative hin wurde die Stadt auch mit
einer Stadtmauer, bewehrt mit acht Wachtürmen, umgeben.
Vom Zeitpunkt des Erwerbs von Burg Hardeg, bis in
die Mitte des 16. Jahrhunderts, war die Burg fast durchgehend
Regierungs- und Fürstensitz und somit zentraler Mittelpunkt im
Fürstentum Göttingen. Hervorzuheben ist auch, dass diese Burg so gut
befestigt war, dass sie während des gesamten Mittelalters nicht
erobert werden konnte. Nach Reformation und Bauernkrieg wurde die
Burg in den Amtssitz Hardegsen umgewandelt. Burgmänner und später
Amtmänner führten von da an, als Vertreter der Fürsten, die
Amtsgeschäfte im Amt Hardegsen mit seinen zehn Ortschaften. Die
Gebäude der Anlage wurden ab dieser Zeit landwirtschaftlich genutzt,
aus der ehemaligen Residenz war eine Domäne geworden.
Ab 1820 war die Burg Königlich Hannoversche
Domäne, ab 1866 Preußische und nach Kriegsende Niedersächsische
Domäne. Im Jahr 1972 kaufte die Stadt Hardegsen die Burganlage sowie
die zugehörigen umliegenden Grundstücke und begann eine umfassende
Sanierung und Erweiterung bis zu ihrem heutigen Aussehen.
Das 1324 erbaute Muthaus ist mit einer Höhe von
35 Metern und den Abmaßen von 25,5 x 13,5 Meter einer der größten
erhaltenen Profanbauten in Niedersachsen und Wahrzeichen von
Hardegsen. Einige Gebäude der Burg sowie der Bergfried sind
inzwischen abgerissen. Aus den alten Steinen wurden neue Gebäude
gebaut, so das Amtshaus, das heute als „Haus des Gastes“ dient.
Erhalten von der frühen Bausubstanz sind noch das Muthaus, das
Hagenhaus sowie Teile der Burgmauer. Der Kreuzgewölbekeller und der
Rittersaal wurden auf Initiative des ehemaligen Amtmannes von
Jagemann restauriert und dienen heute als Veranstaltungsraum und
Festsaal. Diese Räumlichkeiten vermitteln ein nahezu perfektes Bild
von derartigen Burgräumlichkeiten des Mittelalters und werden heute
auch als Standesamt genutzt. Der zwischen Kreuzgewölbe und
Rittersaal gelegene „Weiße Saal“ wurde von der Stadt restauriert und
dient heute als Ausstellungs-, Konzert- und Veranstaltungsraum.
Weitere Informationen unter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Hardeg
>>> Gastgeber in Osterode
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Bernd
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