Großleinungen ist ein Ortsteil der Stadt
Sangerhausen im Landkreis Mansfeld Südharz. Die Ortschaft
liegt im Südharz an der Landesstraße L 231 zwischen Drebsdorf
und Morungen an der Leine. Das Gebiet um Großleinungen ist
wahrscheinlich schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt
gewesen, älteste archäologische Funde stammen aus der jüngeren
Steinzeit (Steinaxt) sowie Siedlungsfunde aus der Eisenzeit.
Auch das Grundwort des Ortsnamens -ungen deutet auf ein frühes
Gründungdatum hin, das man wohl in der Völkerwanderungszeit
ansiedeln kann. Erstmals erwähnt wurde der Ort in Zusammenhang
mit der Unterwerfung des Thüringerreiches im Jahre 531 durch die
Franken. Die Leine war fortan Grenzfluss zwischen den Franken
und den Sachsen, der Ort Linungen wurde in zwei Hälften geteilt,
das östliche Munislinungen und das westliche Majorlinungen. Der
östliche Ortsteil lag im Hassegau mit Friesenfeld, kirchlich
gehörte es zum Bistum
Halberstadt. Die westliche Hälfte gehörte zum Helmegau und
damit zum Erzbistum Mainz.
Großleinungen war also schon früh ein Ort mit strategischer
Bedeutung. Angenommen wird, dass die beiden Burgen Leinungen und
Morungen in der Zeit zwischen 950 - 1000 gebaut wurden. Sie
bildeten zusammen den Burgbezirk (Comitat) Morungen, der sich um
das Jahr 1009 im Besitz des Grafen Goswin des Älteren von Leige
befand. Darüber berichten die Pegauer Analen wie folgt:
„Wiprecht war ein kluger, waffentüchtiger Mann und vollbrachte
als trefflicher Ritter viel ausgezeichnete Kriegsthaten. Infolge
seiner Tüchtigkeit ward er bekannt und vertraut mit Herrn Goswin
dem Ältern, Grafen von Leinungen. Da der sah, daß Wiprechts
Thatkraft seiner edeln Abkunft entsprach, gab er ihm seine
Tochter Sigena, eine wohl gestalte Jungfrau, zur Ehe; denn er
war der ganz richtigen Meinung, Wiprecht werde seinem Geschlecht
noch in fernen Zeiten zur Zierde gereichen. Als Mitgift
bestimmte Goswin seiner Tochter Mohrungen und Gatersleben samt
Ländereien, Allodien und Zubehör. Die übrigen Erbgüter, nämlich
Leinungen, Siebigerode und Drackenstädt gab er seinen beiden
andern Töchtern. Wiprecht erhielt aus dieser glücklichen Ehe
einen Sohn, der der Erbe seines Namens und Reichtums ward und
als jüngstes der nachgelassenen Kinder den Vater später an
Tapferkeit noch weit übertraf, wie der geneigte Leser sehen
wird. Auch zwei Töchter bekam Wiprecht von Frau Sigena. Die eine
heiratete ein gewisser Heinrich von Leinungen, die andere der
ältere Wernher von Veltheim, dem sie zwei Söhne schenkte:
Wernher und Adelgot, den spätern Erzbischof von Magdeburg.“
Sigena von Leinungen war die Mutter des bedeutenden Markgrafen
Wiprecht II. von Groitzsch. In zweiter Ehe war sie verheiratet
mit Friedrich I. von Pettendorf; aus dieser Ehe entstammt
Friedrich II. von Pettendorf. Dessen Sohn Friedrich III. von
Pettendorf war mit Heilika von Schwaben verheiratet, der Tochter
von Herzog Friedrich von Schwaben und Agnes von Waiblingen. Aus
dieser Ehe stammten zwei Töchter – Erbtochter Heilika heiratete
Otto V. von Scheyern, den ersten Wittelsbacher. Daher gilt
Sigena von Leinungen als Stammmutter des königlichen Geschlechts
der Wittelsbacher.
Die erste urkundliche Erwähnung erfährt Großleinungen im Jahre
1107 als „Leinunge“. Im Jahre 1253 wird der Ort als Lehen der
Mansfelder Grafen genannt. Um diese Zeit verlieren sich auch die
Spuren der Leinunger Grafen im Dunkel der Geschichte. Auch gibt
es erst zum Ende das Spätmittelalters wieder weiteren Quellen
zur Burg.
Seine strategische Position hatte diese Region damals schon
lange verloren, Erzreichtum und der damit einhergehende Bergbau
brachten der Region aber neuen Wohlstand. Darüber berichtet uns
eine Urkunde aus dem Jahre 1408 und der Regionalchronist
Cyriacus Spangenberg schreibt in seinem vierten Teil der
Mansfeldischen Chronica, dass um 1455 der Bergbau im Gericht
Morungen "im vollen Schwang gangen ist".
Erst im Jahre 1529 wird die Burg dann wieder erwähnt. Graf
Gebhardt VII. von Mansfeld belehnt demnach Herdan Hacke mit der
„Hüttenstätte zu einem freien Rittersitz“. Hacke erbaute auf dem
Burggelände einen Junkerhof. Aber bereits 1537 kaufte Graf
Philipp II. von Mansfeld das Anwesen und machte es dauerhaft zum
Amtssitz. Anzunehmen ist, dass die alte Burg, die eine
Wasserburg war, abgerissen wurde und auf den Fundamenten der
alten kastellartigen Anlage, mit dessen Steinen, das neue Gut
erbaut wurde. Es war ein dreistöckiger Bau, unten massiv und die
Stockwerke aus Fachwerk.
Im Jahr 1562 kam das Amt Leinungen in den Besitz von Ascha von
Holla, der 1563 den Turm des Amtshauses erbauen ließ.
1655 übernahm der Generalfeldmarschall Ernst Albrecht von
Eberstein das Amt Leinungen - Morungen. Die Zugehörigkeit des
Amtes wechselte zwar in den folgenden Jahrhunderten mehrfach,
das Amt und somit das Gut blieb aber bis 1945 im Besitz seiner
Nachkommen, derer von Eller-Eberstein. Das Amtshaus, welches
auch Schloss genannt wurde, war um 1800 noch in gutem Zustand,
um das Jahr 1813 aber bereits baufällig. Es wurde dann wohl
abgerissen und durch neue Bauten ersetzt.
Das Rittergut, das innerhalb der Ortslage liegt, ist heute ein
Wirtschaftshof. Nur der, im 16.Jahrhundert, von dem Baumeister
Christoph von Sulzbach erbaute quadratische fünfgeschossige Turm
mit Pyramidendach, zeugt heute noch von dem alten Schloss, das
auf dem Gelände der hochmittelalterlichen Wasserburg stand.
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